Novemberliebe

Etwas ist anders. Das Seegras hat seine Zöpfe geöffnet. Seine rotgoldorangen Haare schweben lang ausgebreitet unter und auf dem Wasser. Die Weiden haben ihren Sommerplatz verlassen und sind umgezogen. So scheint es. Sie stehen jetzt in ihrem Winterquartier — bis zu den Hüften im Wasser. Oder, hat der See sein Wasser zu ihnen geschickt um sie in herbstlich-winterlicher Umarmung in sich einzuhüllen?

Ich trete hinein in das Grau um mich her
Ich möchte verschwinden darin
Zwei Lichter durchbrechen die graue Wand
Sie schieben Geräusche heran und sind schon vorbei
Ich bin wieder allein

Laufen mag ich heute nicht, es ist zu zauberhaft. Geheimnisvoll. Der Nebel hüllt ein und auch wieder nicht. Er ist um mich herum und doch nie nah. Ich kann ihn nicht greifen. Er weicht mir aus.
Ich geh auf ihn zu, scheu hält er den Abstand.
Wo ist der Bauernhof geblieben? Ihn hüllst Du ein, und ich?
Du lässt mich die Dinge erkennen, die noch gerade um mich herum. Du hast meinen Blick reduziert. Wo sonst der See, ist eine graue Wand. Direkt hinter den Sträuchern. Die Weiden, die gestern im Wasser schwammen, stehen jetzt auf grauem Spiegel. Sehen sich selbst.
Blesshühner, schweben oder schwimmen sie lautlos dahin? Ein Plätschern. Enten reißen den Spiegel auf, tauchen hinein. Spinnen haben ihre Tücher ausgehängt, in die feuchten Sträucher am See.

Noch liegen die Blätter wie Rost im Gras
Schon schmücken sie sich auf‘s neu
Mit silbernen Würstchen sind sie behangen
Sie haben die Schönheit nach aussen gedrückt
Ganz fest sind sie
Ich hab sie berührt
Die Haselnußwürstchen am Rand

Rote Triebe mit silbernen Spitzen
Wie Samt so weich
Ich mag euch, Freunde
Ihr seid so hell und licht
Mit filigranen Blättern
Und roten Tellertrauben
Für den, der‘s nicht weiß
Ich mein euch, ihr Ebereschen,
Am Straßenrand
In meinem Garten

Die Obstbäume am Wegesrand
Wächter vor silberner Wand
Ich kann Dich atmen, Nebel
Ganz feucht bist Du und kalt

Vorletzter Novembertag

Der November — fast vorbei.
Fast wehmütig war ich heute morgen.
Und doch —
Die Novemberschleier sind da.
Ganz zart.
Nicht aus Nebel gewebt —
Aus einzelnen Flocken.
Die Welt um mich her ist still.
Verengt sich.
Die alten Eichen
Nur noch Schemen.
Das Ufer, der Wald, nicht mal erahnbar.
Schau ich hinein ins nur Grau
Ich seh‘ unendliche Weite
Nicht eingrenzbar
Das ist es, was ich liebe

November —
Du bist wie kein anderer